Frührente

Der Begriff Frührente bezeichnet den Übergang in den Altersruhestand, bevor die Regelaltersrente erreicht wird und bei dem die gesetzliche Rentenversicherung eine Rente zahlt.

Frührente

Welche Probleme verbergen sich hinter der Frührente?

Seit der Rentenreform im Jahr 2007 wird das Alter für den regulären Beginn der Altersrente schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Die Anpassung erfolgt schrittweise bis 2029, indem das Rentenalter bei jedem Jahrgang um einen Monat angehoben wird. Wer beispielsweise im Jahr 1958 geboren wurde, muss bis zum vollendeten 66. Lebensjahr arbeiten und kann ab 2024 seine reguläre Altersrente beziehen.

Auf der einen Seite hebt der Staat das Rentenalter an, auf der anderen Seite gehen aber fast 20 Prozent aller Beschäftigten früher in Rente, weil sie entweder nicht mehr arbeiten wollen oder können. Frührenten wegen Rückenleiden oder psychischer Probleme nehmen besonders stark zu.

 

Welche Möglichkeiten für die Frührente gibt es?

Es gibt verschiedene Optionen, um früher in Rente zu gehen. Bei einigen davon erhält der Rentner die vollen Bezüge, wie bei der regulären Altersrente, bei anderen müssen Abschläge in Kauf genommen werden.

 

Frührente für langjährig Versicherte

Um diese Option in Anspruch nehmen zu können, müssen Versicherte mindestens 45 Jahre lang Pflichtbeiträge eingezahlt haben. Alle Geburtsjahrgänge vor 1953 können ohne Abschläge mit 63 Jahren in Rente gehen. Danach wird das Eintrittsalter stufenweise um einen Monat pro Jahrgang angehoben. Ab dem Jahrgang 1964 ist eine Frührente für langjährig Versicherte erst ab dem vollendeten 65. Lebensjahr möglich.

Vorsorge

Frührente mit 63 nach 35 Beitragsjahren

Wer in seinem Berufsleben mindestens 35 Jahre Pflichtbeiträge gezahlt hat, kann nach der Vollendung des 63. Lebensjahrs in Frührente gehen. Der frühe Rentenbeginn muss bei der GRV beantragt werden. Der Versicherte muss dafür lebenslange Abschläge bei der Rentenzahlung in Kauf nehmen. Der Abschlag beträgt 0,3 Prozent pro Monat des vorgeschobenen Rentenbeginns. Wer 1 Jahr früher in Rente geht, muss daher mit 3,6 Prozent weniger Rente auskommen. Die maximale Höhe des Abschlags ist auf 10,8 Prozent begrenzt.

 

Frührente als Erwerbsminderungsrente

Darauf haben Versicherte Anspruch, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können. Nur wer weniger als 3 Stunden täglich arbeiten kann, hat Anspruch auf die volle Erwerbsminderungsrente. Wer zwischen 3- 6 Stunden täglich arbeiten kann, bekommt eine Teilerwerbsminderungsrente. Um für die Erwerbsminderungsrente in Frage zu kommen, müssen die medizinischen Voraussetzungen vorliegen. Außerdem muss der Versicherte in den letzten 5 Jahren vor der Erwerbsminderung mindestens 3 Jahre lang Beiträge in die GRV eingezahlt haben und eine Wartezeit von mindestens 5 Jahren vorweisen können. Jährlich werden ungefähr 360.000 Anträge auf Erwerbsminderungsrente gestellt, von denen etwa ein Drittel abgelehnt wird.

 

Frührente für Schwerbehinderte

Wer zu mindestens 50 Prozent ist und 35 Beitragsjahre aufweisen kann, darf vorzeitig in Rente gehen. Die Altersgrenze für den Rentenbeginn steigt schrittweise an von 60 Jahren für die Jahrgänge 1953 bis sie ab den Jahrgang 1964 bei 62 Jahren liegt.

 

Frührente für Arbeitslose

Arbeitslose, die mindestens 58 Jahre und 6 Monate alt sind, können mit 63 Jahren in Rente gehen. Wer diese Sonderregelung in Anspruch nehmen will, muss mindestens 1 Jahr arbeitslos gemeldet gewesen sein und 15 Beitragsjahre aufweisen können, davon 8 in den letzten 10 Jahren vor Beginn der Arbeitslosigkeit. Für jeden Monat vorgezogenen Rentenbeginn wird ein lebenslanger Abschlag von 0,3 Prozent erhoben.

Alte Hände mit Geld

Frührente durch Altersteilzeit

Wer älter als 55 Jahre ist, kann mit seinem Arbeitgeber vereinbaren, in Altersteilzeit zu arbeiten. Bei verringertem Einkommen kann die Arbeitszeit um maximal die Hälfte verringert werden. Ein früher Rentenbeginn klappt, wenn der Versicherte zunächst in Vollzeit weiter arbeitet. Wenn die Hälfte der Zeit bis zur Regelaltersrente erreicht ist, bleibt der Arbeitnehmer daheim und der Arbeitgeber zahlt weiter den reduzierten Verdienst bis zum regulären Rentenbeginn. Mit dieser Option werden Abschläge bei der Altersrente weitgehend vermieden.

Gesetzliche Rentenversicherung

Neben der Kranken- und Arbeitslosenversicherung ist die Gesetzliche Rentenversicherung eine tragende Säule der Sozialversicherung. Jeder, der durch seine Erwerbstätigkeit einzahlt, hat einen Anspruch auf Rentenzahlung, sobald das Eintrittsalter von derzeit 67 Jahren erreicht ist. Auf Ausnahmen davon wie z.B. Frührente wird an dieser Stelle nicht weiter eingegangen. Außer der Altersrente als Hauptleistung kommt die Rentenversicherung auch für Hinterbliebenenrenten, Renten bei verminderter Erwerbsfähigkeit oder berufliche Rehabilitation auf.


Pflichtversicherung für Angestellte

Für alle Erwerbstätigen im Angestelltenverhältnis ist die Rentenversicherung eine Pflichtversicherung. Mit der Gehaltsabrechnung führt der Arbeitgeber automatisch den vorgeschriebenen Teil an die Versicherung ab.
Derzeit beträgt der Beitragssatz 18,6 Prozent.

Für diesen müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils zur Hälfte aufkommen. Es gibt Beitragsbemessungsgrenzen, d.h. Beiträge müssen nur bis zu einer bestimmten Höhe des Arbeitslohns gezahlt werden. Diese Grenze liegt in den alten Bundesländern bei 6.500 Euro und in den neuen Bundesländern bei 5.800 Euro. Im Regelfall werden diese Grenzwerte alle paar Jahre an die aktuelle Lohnentwicklung angepasst.

Für geringfügig Beschäftigte („Minijobber“) führt der Arbeitgeber einen Pauschalbetrag von 15% des Lohns ab. Minijobber können dann entweder die Differenz zum Beitragssatz i.H.v. 18,6% selbst zahlen und so einen Rentenanspruch erwerben oder sich auf Antrag von der Versicherungspflicht befreien lassen.

 

Rentenversicherung für Selbstständige

Selbstständige müssen den vollen Beitragssatz selbst zahlen. Eine Versicherungspflicht besteht jedoch nicht für alle Selbstständigen. Freiberufler wie Ärzte oder Anwälte können sich freiwillig versichern und dann entscheiden, wie viele Beiträge (d.h. 18,6% zwischen der Mindestgrenze von 450 Euro und der Beitragsbemessungsgrenze) sie zahlen wollen, sie können aber auch komplett auf die Einzahlung verzichten. Folgende Selbstständige hingegen unterliegen der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht:

  • Handwerker
  • Lehrkräfte, die mehr als 450 Euro monatlich verdienen. Der Begriff „Lehrkraft“ ist hier sehr weit ausgelegt und umfasst auch Coaches wie ebenso Sportlehrer wie Golf- oder Fußballtrainer
  • Erzieher in Kindergärten, Horten und Tagesmütter
  • Hebammen
  • Küstenschiffer und -fischer
  • Künstler und Publizisten, wobei es für diese eine Künstlersozialkasse gibt, in der sie wie Angestellte nur die Hälfte des Beitragssatzes einzahlen müssen

 

Die Rentenversicherung in der politischen Debatte

Seit etwa zwei Jahrzehnten zeichnet sich ein demografischer Doppeltrend ab: während weniger Kinder geboren werden, nimmt durch gestiegene Lebenserwartung die Zahl älterer Menschen zu. Das System der Rentenversicherung wird damit vor eine Herausforderung gestellt, denn es basiert auf dem Umlageverfahren: die Generation der Erwerbstätigen zahlt ein und finanziert damit die Rente der älteren Generation, um so selbst Ansprüche für ihr späteres Rentenalter zu erwerben. Das nennt man Generationenvertrag. Das System könnte jedoch ins Wanken geraten, wenn immer weniger Beitragszahler für immer mehr Empfänger aufkommen müssen. Deswegen wird eine (auch staatlich geförderte) private Altersvorsorge immer wichtiger.

Der Generationenvertrag – Was ist das?

Was ist der Generationenvertrag?

Er ist ein fiktiver, unausgesprochener Vertrag zwischen Erwerbstätigen und Rentnern. Dieser Begriff wird meist in Bezug auf das Rentensystem verwendet und meint dann die Verpflichtung der jungen, arbeitenden Generation, mit ihren Beiträgen die Rentenzahlungen der alten Generation zu finanzieren. Damit verbunden ist die Erwartung der zahlenden Generation, dass die ihr nachfolgende Generation die gleiche Verpflichtung übernehmen wird.

 

Solidarität als Grundgedanke des Generationenvertrags

Durch die Erwartung der zahlenden Generation, dass sie einst im Rentenalter ebenfalls Leistungen von der nachfolgenden Generation erhalten wird, entsteht ein langfristig angelegtes System der sozialen Sicherung, das theoretisch auf unbegrenzte Dauer funktionieren kann.

Entscheidend ist hierfür nicht die schriftliche Fixierung eines Vertrags (es ist ohnehin nur fiktiv), sondern ein Geben und Nehmen.

Durch die Gewissheit, später selbst von der arbeitenden Generation seine Rente zu bekommen, entsteht zugleich die Verpflichtung des Gebens.

Der Grundgedanke hinter dem Generationenvertrag ist daher Solidarität, d.h. die Starken und Leistungsfähigen (also die jetzt erwerbstätigen Erwachsenen) finanzieren die Schwachen und Hilfsbedürftigen (also die Alten, die nicht mehr arbeiten können).

 

Der Generationenvertrag im Wandel der Zeit

Das Modell der solidarischen Finanzierung ist zwar theoretisch auf Ewigkeit angelegt, lebt aber von einer indirekt angenommenen Voraussetzung: die Zahl der Erwerbstätigen und der Rentner muss relativ konstant bleiben. Schon bei einer Änderung einer der beiden Variablen kann das System ins Schlingern geraten: wenn es zu wenige Beitragszahler gibt, sind die Rentenzahlungen nicht für alle abgesichert. Ebenso wird es zum Problem, wenn es plötzlich zu viele Rentner gibt, für die aber nur die gleiche Summe an Beitragszahlungen zur Verfügung steht.

In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich das Problem verschärft, weil sich durch den demografischen Wandel die Bevölkerungsstruktur langfristig verändern wird. Durch eine geringere Anzahl an Geburten bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung der alten Generation ergibt sich ein gefährlicher Doppeltrend: es wird immer weniger Beitragszahler für immer mehr Empfänger geben. Zuletzt stieg die Geburtenzahl zwar wieder leicht an, eine Umkehrung der Alterung der Gesellschaft ist aber dennoch in weiter Ferne.


Der Generationenvertrag im Kontext aktueller politischer Diskussion

Durch den erwähnten demografischen Doppeltrend wird ein Fundament des Generationenvertrages berührt: die Gewissheit, im Alter seine Rente sicher zu haben. Das könnte langfristig das Vertrauen in den Generationenvertrag untergraben und die junge Generation könnte sich fragen: wozu soll ich in die Rentenkasse einzahlen, wenn ich später nur noch wenig bekomme? Wenn Sie Fragen haben, dann kontaktieren Sie dazu am besten direkt die Deutsche Rentenversicherung.

Die Politik hält, auch weil es keine sichere Alternative gibt, am Generationenvertrag grundlegend fest und das sich aus ihm ergebende System der solidarisch finanzierten Rente wird sicherlich auch in Zukunft nicht aufgegeben werden. Eine Ergänzung um private Altersvorsorge wird jedoch weiter an Bedeutung gewinnen, um angesichts des demografischen Wandels nicht dem Risiko von Altersarmut wegen geringer Rente ausgesetzt zu sein.